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Der Rat der Stadt Riga in Zusammenarbeit mit dem Museum für Geschichte und Schiffahrt der Stadt Riga und dem Deutschbaltisch-lettischen Kultur- und Begegnungszentrum "Domus Rigensis" gedachten gestern im Menzcndorffhaus des ehemaligen Stadthauptes - des Philanthropen und Mäzens, Oberbürgermeister Alexander Gottschalk von Sengbusch. Der Gedenkveranstaltung zu Ehren, die dem 200-jährigen Todestag des Bürgermeisters gewidmet war, waren aus Deutschland nach Lettland auch die Vertreter der Familie von Sengbusch Herr Werner von Sengbusch und Frau Karin Riede gekommen.

A. G. von Sengbusch beaufsichtigte Riga in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Damals gab es in Riga 28 000 Einwohner. Die russische Zarin Katharina II versuchte, ein einheitliches Verwaltungssystem in ganz Rußland einzuführen, und hatte deswegen mehrere Verordnungen erlassen, denen wesentliche Reformen folgten. Es wurden die vier wichtigsten Strukturen der städtischen Selbstverwaltung herausgebildet: die administrative Verwaltung, die Polizei, das Gericht und die Verwaltung für Sozialfürsorge. Es wurde der Rath der Stadt gewählt, der wiederum den Stadthaupt wählte. Viele mit dem Rigaer gesellschaftlichen Leben verbundene Angelegenheiten, darunter Wohltätigkeitsanstalten, Schulen und Kirchen, gingen in den staatlichen Zuständigkeitsbereich über.

Vertreter der alten Rigaer Verwaltung waren anfänglich gegen die Reform gestimmt. Keiner der alten Rathsherren wollte sich an der neuen Stadtverwaltung beteiligen und alle weigerten sich demonstrativ, für das Amt des Stadthauptes zu kandidieren. Dem zufolge sollte die ganze Reorganisationsschwere A. G. von Sengbusch tragen, weshalb er von der deutschen Gesellschaft Rigas nicht besonders hoch geschätzt wurde. 1790 wurde er zum Stadthaupt gewählt. Ihm gelang es ganz gut, die deutsche Gesellschaft Rigas mit den neuen Veränderungen in der Stadt zu versöhnen, und allmählich erneuerte er die alten Verwaltungsinstitutionen, zum Beispiel, die Bruderschaft der großen Gilde, Stiftung-Bruderschaft genannt.

A. G. von Sengbusch leitete und gründete Wohltätigkeitseinrichtungen und wurde deswegen von den Rigaer Bürgen geachtet. Nicht umsonst wurde er zum Stadthaupt dreimal nacheinander gewählt - auch 1793 und 1796.

Nach dem Tode von Katharina II bestieg den Thron ihr Sohn Pawel, der alle vorhergegangenen Reformen abschaffte. In Riga wurde der alte Rath erneuert, die Große und die Kleine Gilde. A. G. von Sengbusch wurde wiederum zum ersten Bürgermeister des erneuerten Raths gewählt.

Im Rahmen der stattgefundenen Veranstaltung haben die Mitarbeiter der Museen die Biographie des Oberbürgermeisters erzählt, die Zeit charakterisiert, in der er wirkte, und auch über die Kunstsammlung der Familie von Sengbusch gesprochen.

Artikel aus der Zeitung "Rigas Balsa" (Rigaer Stimme) vom 09.02.2000, von Aiva Barbale, Übersetzung aus der lettischen Sprache